South of Midnight wäre so ein cooler Film, ist aber leider ein Spiel

Im Test zu South of Midnight erfahrt ihr, was wir vom Spiel halten und ob sich Hazels Abenteuer lohnt.

South of Midnight im GamePro-Test. South of Midnight im GamePro-Test.

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Am 11. Juni 2023 wurde South of Midnight auf dem Summer Game Fest angekündigt. Damals fiel das Action-Adventure direkt durch seinen besonderen Stop-Motion-Look auf und machte uns enorm neugierig.

Knapp zwei Jahre später konnten wir nun die Testversion des Spiels unter die Lupe nehmen und mussten feststellen, dass South of Midnight zwar nach wie vor sehr cool aussieht und eine spannende Geschichte erzählt, spielerisch aber ziemlich baden geht.

Und plötzlich spült ein Unwetter unser Haus weg

Im Spiel schlüpfen wir in die Rolle von Hazel, einer jungen Frau, die zusammen mit ihrer Mutter im Süden der USA in einem kleinen Haus lebt. Während eines extremen Unwetters wird das Haus allerdings samt Mutter von einer großen Flutwelle weggespült.

Wir nehmen also die Beine in die Hand und machen uns auf die Suche. Dabei durchqueren wir vom Unwetter verwüstete Schlauchlevel, die uns durch Sumpflandschaften im Süden der USA sowie überschwemmte Felder führen und treffen dabei auf einige fantastische Wesen, wie einen sprechenden Wels oder ein gigantisch großes und nimmersattes Krokodil namens Tom.

Catfish Dieser gewitzte Wels wird zu unserem Wegbegleiter.

Tom Achtung, hungriges Krokodil. Was es mit ihm auf sich hat, erfahren wir innerhalb der Geschichte.

Das Leveldesign ist sehr geradlinig, nur selten können wir uns etwas freier bewegen. Dafür sind die Abschnitte stets toll gestaltet und bieten richtige Hingucker. Das eben genannte Krokodil Tom ist etwa so groß, dass es eine ganze Insel auf dem Rücken trägt und immer wieder im Hintergrund zu sehen ist.

Technik: Laut Compulsion Games läuft South of Midnight auf der Series X in 4K mit 60fps, auf der Series S mit 1080p und 60fps. Auf der Series X können wir bestätigen, dass das Bild scharf aussieht und das Spiel bis auf wenige, kurze Ausnahmen auch sehr flüssig läuft.

Hin und wieder trafen wir auf den Fehler, dass wir an einigen Kanten nicht hochklettern konnten, das hat sich nach etwas Bewegung aber stets von allein gelöst. Große Fehler sind uns beim Spielen nicht aufgefallen.

Auch wenn wir hier nicht die Optik eines AAA-Spiels mit neuesten technischen Spielereien erwarten können, sehen sowohl die Welt als auch die Charaktere in der Regel sehr hübsch aus und es entsteht eine stimmige Südstaaten-Voodoo-Atmosphäre. Zusammen mit dem Stop Motion-Effekt liefert South of Midnight einen Look, der sicher Geschmackssache, aber in jedem Fall besonders ist.

Coole Bilder Die Level bieten immer wieder tolle Hingucker ...

Noch mehr coole Bilder ... und sehen trotz nicht ganz taufrischer Grafik sehr hübsch aus.

Wenn ihr zu den Leuten gehört, die unter Motion Sickness leiden, kann der Effekt insbesondere beim Spielen Übelkeit auslösen. Daher könnt ihr ihn abseits der Zwischensequenzen optional ausschalten. Mehr dazu erfahrt ihr weiter unten im Accessibility-Kasten.

Hier könnt ihr euch ein Bild davon machen:

South of Midnight zeigt neues Gameplay und gibt Releasedatum bekannt Video starten 3:23 South of Midnight zeigt neues Gameplay und gibt Releasedatum bekannt

Eine weitere positive Sache ist der Soundtrack des Spiels. Wir bekommen coole und zum Setting passende Bluegrass- und Banjo-Mucke auf die Ohren und spätestens dann, wenn einer der Songs mit Text einen besonderen Moment untermauert, bleiben wir nicht selten gerne stehen, um uns auf die Musik zu konzentrieren.

Ein Highlight: Die kleinen und großen Storys im Spiel

Während der rund 10-12 Stunden langen Story treffen wir auch immer wieder auf die einheimischen Bewohner*innen, deren Geschichten eng mit unserem eigenen Weg verbunden sind. So müssen wir etwa zuerst das tragische Geheimnis zweier Brüder aufdecken, um ins nächste Kapitel voranzuschreiten. Einer der beiden hat sich nämlich in einen übergroßen Baum verwandelt, der uns nicht nur den Weg versperrt, sondern auch noch einen wichtigen NPC festhält.

Wenn sich einer von zwei Brüdern in einen riesengroßen Baum verwandelt, wollen wir natürlich wissen, was da los ist. Wenn sich einer von zwei Brüdern in einen riesengroßen Baum verwandelt, wollen wir natürlich wissen, was da los ist.

Diese kleinen Geschichten sind ein großes Highlight von South of Midnight und haben uns bis zum Schluss begeistert. Die Storys und Charaktere sind auch durchweg toll geschrieben und gelungen in englischer Sprache vertont. Das gilt auch für die Hauptgeschichte, in der wir nicht nur immer mehr über unsere Mutter, sondern auch über uns erfahren.

Wie sich nach kurzer Zeit nämlich herausstellt, ist Hazel eine Weberin, eine magiebegabte Beschützerin von Natur und Menschen. Was sich genau dahinter verbirgt, erfahren wir im Laufe der Geschichte.

Als Weberin schalten wir zudem nach und nach neue Fähigkeiten frei, die mit dieser Rolle zusammenhängen. Aber damit kommen wir auch zu dem Teil von South of Midnight, der uns weniger begeistern konnte.

Story und Atmosphäre top, Gameplay … naja

Auf dem Papier klingen die Fähigkeiten ziemlich cool. Wir können etwa Gegenstände an uns heranziehen, oder sie alternativ wegstoßen. Mit Weben können wir kurzzeitig Gegenstände aus der Vergangenheit beschwören. Das kann etwa eine Kiste sein, die zuvor nur als Schemen in der Spielwelt zu sehen war, und uns beschworen erlaubt, auf einen Absatz zu klettern. Aber auch in den Kämpfen haben diese Fähigkeiten ihren Nutzen, doch dazu später mehr.

Ein paar weitere Bewegungsskills, wie einen Doppelsprung und einen Gleiter, mit denen wir etwas agiler werden und neue Hindernisse überwinden können, schalten wir ebenfalls noch frei. Außerdem können wir später die Kontrolle über unsere kleine Puppe Crouton übernehmen, um mit ihr etwa Schalter an für uns unerreichbaren Orten umzulegen.

Schwierigkeitsgrad & Accessibility: Das Spiel verfügt über vier Schwierigkeitsgrade und einen Custom-Modus, in dem wir Punkte wie ein- und ausgehenden Schaden frei anpassen und sogar Unverwundbarkeit aktivieren können. Außerdem gibt es Optionen, um Kämpfe und Bosse zu überspringen. 

Zusätzlich können wir folgende Optionen einstellen:

  • die Tasten frei belegen
  • Motion Sicknesseinstellungen:
    • den Stop-Motion-Effekt während des Gameplays deaktivieren
    • Kamerawackeln deaktivieren
  • das Interface (HUD, Texte) skalieren
  • Leitstrang als Navigationshilfe anzeigen lassen
  • Timings können verlängert werden

Die Fähigkeiten sind allesamt nett, da der Spielablauf jedoch sehr linear ist und das Spiel zu jeder Zeit komplett klar macht, welchen Skill wir in den jeweiligen Situationen einsetzen müssen, sorgen sie bei der Erkundung eigentlich nur dafür, dass wir beim Laufen hin und wieder eine Taste drücken müssen. Spannende Rätsel- oder Geschicklichkeitseinlagen erwarten euch in South of Midnight nicht. Zudem steuert sich das Spiel hin und wieder etwas hakelig und unpräzise.

Es gibt zwar kleine Nebenpfade, an denen wir etwa Notizen finden können, aber auch die verlangen uns in der Regel nicht mehr als zwei, drei zusätzliche Sprünge abseits des Hauptweges ab. Immerhin bekommen wir dort auch häufig “Flauschen”, ein Material, mit dem wir unsere Skills verbessern oder neue Angriffe freischalten.

Auch wenn die Welt wie hier häufig sehr offen aussieht, sind wir sehr eingeschränkt. Trotz verschiedener Bewegungs-Skills können wir uns meist nur auf engen Pfaden bewegen. Schwimmen kann Hazel übrigens nicht. Auch wenn die Welt wie hier häufig sehr offen aussieht, sind wir sehr eingeschränkt. Trotz verschiedener Bewegungs-Skills können wir uns meist nur auf engen Pfaden bewegen. Schwimmen kann Hazel übrigens nicht.

So hält unser “Einspinnen” beispielsweise etwas länger, oder wir können fortan einen Bodenstampfer, also einen Angriff auf den Bereich unter uns, ausführen, der Flächenschaden anrichtet - und damit haben wir den Punkt erreicht, wo wir im Detail über die Kämpfe reden müssen.

Kämpfe, die wir am liebsten überspringen

Die Kämpfe finden stets in kleinen Arenen statt, wo wir mehrere Wellen an Monstern umhauen müssen. Wir können zuschlagen und ausweichen. Gelingt uns letzteres im letzten Augenblick, kassieren Feinde etwas Schaden. Dazu können wir die oben genannten Fähigkeiten einsetzen. Weben bewirkt im Kampf, dass Gegner für wenige Sekunden eingesponnen werden, während unsere Push- und Pull-Kräfte in den Gefechten dieselbe Wirkung wie beim Erkunden haben.

Wir treten gegen Nah- und Fernkämpfer, sowie einige wenige Spezial-Monster, die etwa Unterstützung beschwören, an und auch wenn hin und wieder ein neuer Gegnertyp dazu kommt, unterscheiden sich die Kämpfe bis zum Schluss nur unwesentlich voneinander.

Das sorgte dafür, dass wir uns schon nach ein paar wenigen Auseinandersetzungen ziemlich gelangweilt haben. Das liegt auch daran, dass die Kämpfe sich aufgrund des eher seichten Trefferfeedbacks nicht gut anfühlen und allgemein stets etwas hölzern wirken.

South of Midnight verfügt zudem über ein paar Bosskämpfe, die zwar cool aussehen, aber spielerisch ebenfalls nicht begeistern können. So unterscheiden sich die Phasen etwa nur marginal und wir absolvieren einfach immer wieder dieselbe Folge von Angriffen und Gegenangriffen.

Das führte nach der Hälfte des Spiels dazu, dass wir zumindest die meisten normalen Kämpfe fortan einfach übersprungen haben. Eine passende Option können wir jederzeit über das Menü freischalten.

Fazit der Redaktion

Kevin Itzinger
@aldred.bsky.social

Gemeinsam mit dem Soundtrack und der generell sehr tollen Atmosphäre des Spiels gehören sowohl die Hauptstory, als auch die tollen Nebengeschichten und Charaktere zu den großen Stärken des Spiels. Wir wollten immer wissen, wie es mit Hazel weiter geht und welches Geheimnis der nächste wichtige Nebencharakter verbirgt.

Dem Gegenüber steht ein Gameplay-Part, der uns nicht ein einziges Mal wirklich begeistert hat und zudem häufig aufgesetzt und überflüssig wirkt. Die Bewegungsfähigkeiten hätten etwa sicher mehr Spaß gemacht, wenn South of Midnight eine offene Spielwelt mit Erkundungs-Parts geboten hätte oder ein Metroidvania wäre. In einer so schlauchigen Spielwelt wirken sie auf uns jedoch fehl am Platz.

Dazu kommen die Arena-Kämpfe, die sich über das gesamte Spiel kaum verändern und sich schlicht und ergreifend weder anspruchsvoll noch spaßig spielen. Versteht mich hier bitte nicht falsch: Das Gameplay ist keine Vollkatastrophe. Compulsion hätte sich aber besser entweder auf spaßige Geschicklichkeits- sowie Rätsel-Passagen, die die Bewegung-Skills voll auskosten oder eben auf die Kämpfe fokussieren sollen – so wirkt beides aber eher halbgar.

Wenn ihr gerne atmosphärische Spiele mit einer coolen Story und spannenden Charakteren spielt und euch Gameplay dabei weniger wichtig ist, könnt ihr sicher noch ein paar Punkte auf unsere Bewertung draufpacken. Ist es umgekehrt, könnt ihr hingegen noch etwas nach unten gehen.

Insgesamt hatten wir eine gute Zeit mit South of Midnight, denn immerhin gibt uns das Spiel viele Möglichkeiten, um das Spielerlebnis an unsere Bedürfnisse anzupassen und etwa die ungeliebten Kämpfe einfach zu überspringen. Wenn ihr ein Gamepass-Abo habt, könnt ihr zudem auch ganz unverbindlich selbst reinschauen, denn da ist der Titel direkt zum Release verfügbar.

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