Meine letzte Platin-Trophäe habe ich im PS4-Abenteuer Mittelerde: Mordors Schatten ergattert. Das ist jetzt fast 9 Jahre her. Seitdem habe ich nicht mehr dazu hinreißen lassen, nach dem höchsten PlayStation-Achievement zu jagen.
Mein Interesse für Sonys virtuelle Kelche ist mittlerweile sogar komplett auf Null gesunken – und das, obwohl mich Trophäen anfangs sogar in einen richtigen Sammelstrudel gezogen haben. Letztendlich war aber genau das das große Problem.
Gefangen im Trophäen-Sammelstrudel
Sony führte im Juni 2008 das Trophäen-System auf der PS3 ein und erweiterte Spiele damit um eine weitere Belohnungsebene. "Toll, endlich kann ich auf meinem PSN-Profil mit meinen spielerischen Leistungen prahlen", dachte ich damals und stieg komplett angefixt ins Hunter-Game ein. Fortan versuchte ich, die Trophäenlisten sämtlicher PS3-Titel zu füllen, die ich damals besaß.
Jap, ich war damals eine von diesen übermotivierten PSN-Angeberinnen, heute schäme ich mich ein wenig dafür.
Fallout 3, Metal Gear Solid 4, LittleBigPlanet – das alles zockte ich rauf und runter, angetrieben vom befriedigenden "Bling!"-Geräusch, das jedes Mal nach dem Verdienen einer neuen Trophy ertönt.
Meine erste Platin-Errungenschaft schaltete ich dann schließlich in Assassin's Creed 2 frei, das bis heute in der Community als "Easy Platin-Spiel" gilt, also als Titel, in dem sich ohne großen Zeitaufwand oder besonderes spielerisches Können die seltenste Trophäe erspielen lässt.
Trophäenjägerinnen-Karriere an den Nagel gehängt
"Hach, meine erste Platin!" – das befriedigende Gefühl, den hübschen Kelch in der Bildschirmecke aufploppen zu sehen, löste riesige Glücksmomente in mir aus und motivierte mich umso mehr.
Ich setzte die Achievement-Jagd fort und zockte mich eifrig durch die Trophäen-Listen weiterer Games wie LittleBigPlanet 2 und Final Fantasy 13. Ja, auch in Square Enix' RPG stellte ich mich der Herausforderung und ließ mich im Platinrausch sogar nicht einmal von den nervigsten Aufgaben abschrecken (zumindest zunächst).
Ein besonders fieser Gold-Erfolg in Final Fantasy 13 erfordert es, alle Missionen der Cie'th-Statuen mit dem höchsten Rang abzuschließen, was in den meisten Fällen lange und knackige Kämpfe nach sich zieht – und damit nervigen Grind. Ich versuchte mich über 20 Stunden an den Statuen, gab dann aber schließlich auf. Vorbei war der Trophäentraum in FF13.
Danach folgte eine längere Pause vom Jägerinnen-Dasein, weil ich in eine neue Stadt zog, zu studieren begann und mein Fokus nun ein anderer war. Aber nach dem ganzen Unitrubel kehrte ich schließlich wieder zur Trophäen-Jagd zurück.
Meine nächsten beiden Platin-Kelche schaltete ich deshalb erst wieder auf der PS4 frei, indem ich Infamous: Second Son und Mittelerde: Mordors Schatten direkt nacheinander "platinierte". Das war im Herbst 2014 und ist damit – wie eingangs erwähnt – fast 9 Jahre her.
Mehr zum Thema Platin, aber aus der Perspektive eines Trophy-Hunters:
Auch wenn mich die Platin-Erfolge in Second Son und Mordors Schatten wirklich gefreut haben, so gab ich mein Trophäenjägerinnen-Dasein danach komplett auf. Der Grund: Ich war zu gestresst von der ganzen Achievement-Sammelei.
Dabei setzte ich mich insbesondere selbst unter Druck: Hatte ich einmal damit angefangen, in einem Spiel Trophäen freizuschalten, so konnte ich nicht mehr damit aufhören. Dabei verspürte ich eine Art Zwang, die Trophäenliste zu komplettieren oder zumindest so weit zu füllen, bis ich nicht mehr weiterkam, weil ich irgendwann die Geduld verlor.
Rückblickend finde ich es erschreckend, dass ich dabei nicht einmal vor unliebsamen Ingame-Aufgaben haltmachte. Was für eine Verschwendung von Lebenszeit und Nerven!
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So etwas wie die Cie'th-Statuen in FF13 würde ich heute nicht mehr angehen. Ich erledige in Games nur noch das, was mir wirklich Freude bereitet, und damit geht es mir heute sehr gut. Ich habe wieder ein gesundes Verhältnis zu Videospielen, komplett frei von Stress und Druck. Und bin stolz auf mich, dass ich es schaffe, Trophäen mittlerweile komplett zu ignorieren.
Denn letztendlich sind sie nur digitale Abzeichen ohne jeglichen Wert. Für mich zählen lediglich die Momente in Games, in denen ich großen spielerischen Spaß habe oder emotionale Geschichten erlebe. Und genau danach jage ich heute ausschließlich. Blinkende Kelche? Die können mir gestohlen bleiben.
Wie steht ihr zu Achievements im Gaming? Sammelt ihr sie oder sind sie euch egal?
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