Godzilla hätte so ein super Spiel werden können. Mit Betonung auf »hätte«. Das Riesenmonster trampelt weniger auf Japan als vielmehr auf meinem Stilempfinden herum. Und dabei hätte sich Godzilla nur ins gemachte Nest setzen müssen. Godzilla und alle Gegner aus den Filmen in einer völlig zerstörbaren Umgebung. Und das alles im Stil der alten Kultfilme: Was soll da noch schiefgehen? Eigentlich so ziemlich alles, wie sich herausstellt. Gefreut habe ich mich auf einen nostalgisch-trashigen Crashparcours mit epischen Schlachten und aufwändigen Kampfanimationen. Immerhin waren die Jungs in ihren Gummianzügen im Original ja auch ziemlich agil.
Bekommen habe ich einen behäbigen Dino mit der Wendigkeit eines Eisbergs, der durch eine Stadt stampft, deren Texturen mühelos von GTA 3 abgehängt werden. Das hat aber so gar nichts mehr mit dem Charme der alten Filme zu tun. Die japanischen Streifen aus den 80ern haben Filme mit Miniaturstädten und Monstern in Gummianzügen zur Kunstform erhoben, in den Filmen ist jedes einzelne Haus detailliert nachgebaut. Im Spiel sind die Figuren einfach nur faul in eine schlecht texturierte Welt eingefügt.
Eine Schachtelstadt in Angst
Warum sich Godzilla überhaupt durch die Reihen von angemalten Cornflakes-Schachteln prügelt, ist ebenfalls nicht ganz klar. Zu Anfang erklärt mir das Portrait einer japanischen Sicherheitsbeauftragten, dass Godzilla auf dem Weg aus dem Ozean ins Inland ist. Dort zerstört er die Generatoren, um an die darin befindliche Wachstumsenergie zu kommen. Eine tiefere Motivation der Riesenechse oder erklärende Videosequenzen gibt es nicht. Die Story des Spiels ist nämlich ungefähr so komplex wie ein Film aus der Erwachsenenunterhaltung (nur haben die dabei natürlich bessere Technik). Beim monströsen Landgang geht es darum, einfach alles in Sichtweite platt zu machen, denn auch das lässt meinen Dino wachsen.
Zwischendurch wird er dabei von den Kaiju, den anderen Monstern der »Godzilla«-Filme, gestört, die das gleiche Ziel haben. Denen kann ich dann im Kampf Monster gegen Monster den Garaus machen. Hört sich ja grundsätzlich gar nicht so schlecht an, scheitert aber fatal in der Ausführung: Die eintönig grauen Gebäude niederzureißen macht genau drei Minuten Spaß - und auch nur dann, wenn ich in den drei Minuten nicht die Richtung wechseln muss.
Abgesehen von einem unheimlich langsamen Sidestep kann ich meinen Dino nämlich nur mit den Schultertasten drehen. Das dauert allerdings so lange, dass meine Gegner in der Zwischenzeit drei weitere Angriffe vom Stapel lassen. Und nein, das ist nicht übertrieben: Ich habe mitgezählt! Kontern, ducken oder ausweichen sind nicht drin, wenn ich ausweichen möchte, muss ich das vorher planen.
Wenn ich tatsächlich einmal schnell weg will, braucht es ein Schlupfloch im System: Der Sturmangriff weg vom Feind ist das, was im Spiel gezielten Ausweichen am Nächsten kommt. Wohlgemerkt einem sehr, sehr langsamen Ausweichen. Und ja, ich weiß, auch Film-Godzilla bewegt sich schwerfällig, aber zwischen »schwerfällig« und »Dino auf Schienen« besteht meiner Meinung nach ein himmelweiter Unterschied.
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