Akira Toriyama hat mit seinem Meisterwerk Dragon Ball die Welt der Mangas einst komplett verändert. Dragon Ball ist der Grund, warum so viele Shonen-Serien heute so sind, wie sie sind und ohne Akira Toriyama hätte es so einige weltbekannte Mangas wie One Piece, Bleach und Naruto sicher nie gegeben – zumindest nicht in ihrer jetzigen Form.
Unglücklicherweise verbirgt sich hinter Dragon Ball auch eine dunkle Seite der Manga- und Anime-Branche. In einem neuen Interview haben drei ehemalige Mitarbeiter von Toriyama enthüllt, dass ihm ausgerechnet seine Arbeit an Dragon Ball zeitweise die Leidenschaft und die Motivation zum Zeichnen genommen hat.
Trotz Verletzung wurde Toriyama “gezwungen”, an Dragon Ball weiterzuarbeiten
Die drei ehemaligen Manga-Editoren Kazuhiko Torishima, Yu Kondo und Fuyuto Takeda, die bei Shueisha für Dragon Ball und die Abstimmung mit Akira Toriyama verantwortlich waren, haben sich mit dem japanischen Podcast KosoKoso für ein Interview zusammengesetzt.
Im Gespräch haben die drei Ex-Mitarbeiter über ihre Erfahrungen mit Toriyama und den Arbeitskonditionen bei Shueisha, dem Verlag von Shonen Jump, gesprochen. Der Podcast wurde von X-User @Venixys zusammengefasst und auf Englisch übersetzt.
Die drei Editoren erinnern sich beispielsweise an einen besonders stressigen Zeitraum, in dem Toriyama an zwei Projekten gleichzeitig arbeiten musste: Einem Dragon Ball- und einem sogenannten One Shot-Kapitel. Die Arbeitsbedingungen sorgten für immensen Druck, da Shueisha zu der Zeit die kolorierten Kapitel zwei Wochen im Voraus haben wollte.
Im Interview wird nicht deutlich, um welches Dragon Ball-Kapitel oder welchen One Shot es geht. Somit ist der genaue Zeitraum in diesem Fall unbekannt.
Mangakas standen also unter immensem Zeitdruck. Zur gleichen Zeit war Akira Toriyama verletzt und litt an einer Sehnenentzündung. Der Dragon Ball-Schöpfer habe seinem damaligen Editor Kondo sogar mitgeteilt, dass er unter diesen Umständen nicht mehr weiter zeichnen könne.
Trotz seiner Verletzung und seinen Einwänden wollen sich Kondo und Torishima mit ihm getroffen haben, um ihn umzustimmen. Um Toriyama davon zu überzeugen, dass er weiter an seinen Projekten arbeiten soll, hatte Torishima ihn einem Test unterzogen und ein Ultimatum gestellt.
Er gab demnach Toriyama einen Stift und forderte ihn auf, seinen eigenen Namen zu schreiben. Wenn er trotz der Entzündung seinen Namen noch schreiben könne, dann könne er auch noch zeichnen. Sollte er nicht mehr in der Lage sein, seinen Namen zu schreiben, so würden die beiden Editoren aufgeben und Toriyama nicht weiter bedrängen.
Der Dragon Ball-Schöpfer konnte seinen Namen schreiben und willigte – auch wenn er sehr irritiert und frustriert über die Lage war – ein, die beiden Kapitel rechtzeitig fertigzustellen.
Torishima drohte Toriyama mit einem Umzug nach Tokio
Um dafür zu sorgen, dass Toriyama die Abgabefristen der einzelnen Manga-Kapitel einhalten würde, hat Torishima dem Mangaka wohl sogar eine offene Drohung ausgesprochen: Sollte er nur eine einzige Abgabefrist verpassen, müsse er nach Tokio ziehen.
Der Grund dafür? Toriyama lebte auf dem Land, während Shonen Jumps Hauptgebäude in Tokio war. Dadurch, dass es zur damaligen Zeit noch keine Faxgeräte gab, mussten Torishima oder Kondo immer zu Toriyama reisen, um sich die neuen Manuskripte und Manga-Seiten physisch abzuholen. Toriyamas Umzug nach Tokio hätte die Kommunikation einfacher gestaltet.
Als Faxgeräte endlich eingeführt wurden, weigerte sich Toriyama aber für ganze zwei Jahre, eins bei sich Zuhause zu installieren. Seine Begründung war, dass er dann keine Ausreden mehr hatte, warum die Manuskripte zu spät eingereicht wurden und er sich noch strikter an die Abgabefristen hätte halten müssen.
Um die strengen Fristen von Shueisha einhalten zu können, habe Toriyama laut seinen eigenen Aussagen nur zwischen vier bis sieben Stunden pro Woche geschlafen. Die Arbeitsbedingungen sollen manchmal sogar so hart gewesen sein, dass Toriyama aufgrund seiner Erschöpfung die unterschiedlichen Verkehrslichter nicht mehr auseinanderhalten konnte.
Trotz der harschen Bedingungen wollte der Dragon Ball-Schöpfer nicht nach Tokio ziehen, da er nicht an einem Ort leben wollte, “an dem man den Horizont nicht mehr sehen kann”.
Toriyamas Motivationsverlust
Sowohl Torishima, Kondo, als auch Takeda erinnern sich daran, dass Toriyama nach dem Ende von Dragon Ball keine neuen Projekte mehr vorgeschlagen und sich von der Industrie distanziert habe. Toriyama habe scherzhaft auch öfter davon gesprochen, dass er gar nicht mehr arbeiten möchte.
In den Augen von Kondo hatte Akira Toriyama schlichtweg die Leidenschaft für Mangas verloren und wollte sich von der Branche zurückziehen.
Takeda war jedoch anderer Meinung. Laut seinen Beobachtungen war er sich sicher, dass der Dragon Ball-Schöpfer aus einem anderen Grund keine neuen eigenen Projekte mehr vorgestellt hatte: Dragon Ball war sein Meisterwerk, das er nicht mehr toppen konnte.
Torishima hingegen ist sich bei der Aussage von Takeda nicht so sicher, da er in der Vergangenheit Toriyama immer wieder Ideen für neue Manga-Projekte vorgeschlagen hatte und der Mangaka immer wieder mit Ausreden ausgewichen sei.
Beispielsweise behauptete Toriyama, beim Versuch, neue Manga-Seiten zu zeichnen, immer unkontrollierbar niesen zu müssen, oder er verlor seine spezielle “Stiftspitze”, die er zum Zeichnen immer benutzt.
Dragon Ball GT, Super und Daima
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Toei Animation veröfffentlicht neuen Trailer zu Dragon Ball Daima und Releasezeitraum
Nachdem bekannt wurde, dass Dragon Ball Z bald enden würde, herrschte Panik bei Shonen Jump und bei den unterschiedlichen TV-Sendern. Dragon Ball durfte nicht enden und somit wurde Dragon Ball GT ins Leben gerufen. Zu dem Zeitpunkt schien es Toriyama bereits egal zu sein, was mit Dragon Ball passiert.
Laut Aussagen der drei ehemaligen Mitarbeiter antwortete Toriyama immer wieder mit “Macht was ihr wollt.”, sobald ein neuer Vorschlag zu Dragon Ball kam. Der Dragon Ball-Mangaka hatte nur minimal an Dragon Ball GT mitgearbeitet und den Rest Shueisha und Toei Animation überlassen.
Mit dem Start von Dragon Ball Super hatte Toriyama in den meisten Fällen nur die Skripte und das Story-Writing übernommen, während Toyotaro gezeichnet hat. Torishima wurde dort klar, dass der Dragon Ball-Mangaka kaum noch selbst zeichnen wollte.
Über Dragon Ball Daima fiel im Interview kein Wort. Es ist jedoch anzunehmen, dass Akira Toriyama die Arbeit an Daima genossen hat, da in der Vergangenheit bereits viele Mitarbeiter*innen davon gesprochen haben, wie sehr er involviert war und wie leidenschaftlich er daran gearbeitet hat.
Akira Toriyamas Fall zeigt die Schattenseiten von der Manga- und Anime-Industrie
Obwohl es in diesem Beitrag hauptsächlich um Akira Toriyama geht, ist es wichtig zu erwähnen, dass es sich hierbei um keinen Einzelfall handelt. In der Welt von Anime und Manga müssen Arbeiter*innen und Mangakas unter harten Bedingungen und strengen Abgabefristen ihre Werke vollenden.
Dazu gehört auch der massive Druck, Woche für Woche neue Manga-Kapitel oder Anime-Episoden in kürzester Zeit zu produzieren. Dabei kommt es nicht gerade selten vor, dass die Gesundheit der einzelnen Personen darunter leidet und sie gezwungen sind, aus gesundheitlichen Gründen immer wieder Pausen einzulegen.
Akira Toriyamas Fall ist ein anschauliches Beispiel für die Arbeitsbedingungen in der Manga-Branche. In der Anime-Industrie zeigt sich das zum Beispiel an dem Vorfall des Animationsstudios Mappa, das seit mehreren Jahren immer wieder für seine Arbeitsbedingungen kritisiert wird.
2023 und 2024 wurde das Studio für sein Verhalten gegenüber den Mitarbeiter*innen im Zuge der Produktion von Jujutsu Kaisens zweiter Staffel hart kritisiert. Mehrere Betroffene haben sich in den sozialen Medien über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen geäußert und darüber gesprochen, wie sehr ihre mentale Gesundheit darunter gelitten hat.
Das Thema wurde sowohl auf Reddit sehr intensiv diskutiert als auch von mehreren Webseiten wie IGN und anime2you abgedeckt.
Diese strengen Arbeitsregulationen sind in Japan nichts Außergewöhnliches und oft leider die Norm – dafür ist die Gesetzgebung Japans verantwortlich. In Japan existieren kaum Arbeiterrechte oder Gewerkschaften, die Personen schützen und solche unmenschlichen Arbeitsbedingungen verhindern.
Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass hinter den Animes und Mangas, die wir mit Freude genießen, die harte Arbeit eines Mangakas oder eines Teams aus talentierten Arbeiter*innen steckt. Es ist das Herzblut und die Leidenschaft dieser Personen in dieser Branche, die wir wertschätzen sollten. Immerhin würde es ohne sie keine Animes und Mangas geben.
Welcher Anime oder Manga liegt euch am meisten am Herzen und hat euer Leben verändert?
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