Fanservice auf der Bühne
Der BYOC-Bereich, also da wo gespielt wird, ist traditionell das Herz der Quakecon. Allerdings nicht räumlich, weil er in maximaler Entfernung zum Hotelkomplex liegt. Ernsthafter eSport ist dagegen von geringerem Interesse, es gibt eine Handvoll QuakeLive-Wettbewerbe und ein Brink-Turnier mit einem Gesamtpreisgeld von 50.000 Dollar, so richtig viel bekommt man von den Wettkämpfen aber nicht mit.
Neben der BYOC-Halle liegt der kleinere Aussteller-Bereich: Hier präsentieren sich die Sponsoren wie Ventrilo oder Alienware, id lässt die begeisterten Besucher den Rage-Multiplayer ausprobieren und man kann ein paar Fanartikel erstehen -- eine Micro-E3 mit Bethesda-Fokus also, sogar drei bis fünf Booth Babes haben wir erspäht. Erheblich spannender und äußerst beliebt bei den Besuchern sind allerdings die Veranstaltungen im Grand Ballroom, einem bestuhlten Saal mit Bühne, der bis zu 3.000 Menschen fasst. Bis auf den letzten Platz besetzt ist er bei der »Welcome and Annual Keynote with John Carmack«. Willkommen geheißen werden die nach einem Rage-Trailer in Jubel ausbrechenden Massen von Todd Hollenshead. Der id-Präsident erzählt ein wenig über den geplanten Ablauf und die speziellen Steam-Deals, die traditionell zur Quakecon angeboten werden.
Hollenshead wird von Bethesda-Mann Pete Hines abgelöst, der ein paar Premieren anpreist: Rage darf zum ersten Mal von der Öffentlichkeit gespielt werden und Skyrim sowie Prey 2 werden weltexklusiv direkt der Spielerschaft präsentiert. Dann aber übernimmt John Carmack, der seit der allerersten Quakecon vor allem technische Aspekte mit seinen Fans diskutiert – dieser Teil wird traditionell der ausführlichste. Carmack redet wie ein Wasserfall, über die Wichtigkeit von Rage (»das vielleicht beste id-Spiel«), den Speichermangel und die langen Blu-ray-Zugriffszeiten der PS3, über Texturen, Frameraten, exponentielles Wachstum von Rechenleistung und lebenslanges Lernen: »Ich bin ein besserer Programmierer denn je«, stellt Carmack zwischendurch ganz nüchtern fest. Und er meint das, wie er es sagt: nüchtern, sachlich, ohne eine Spur von Selbstbeweihräucherung, nicht einmal Stolz schwingt mit in dieser Aussage, es ist ganz einfach so, Punkt, aus, fertig.
Fast eine Stunde steht er da, redet ohne Unterlass und fasziniert die Zuhörer, bis ein Mitarbeiter ihm unaufgefordert einen Stuhl auf die Bühne stellt. Er scheint es kaum zu bemerken, macht dann eben im Sitzen weiter – Carmack ist besessen wie eh und je, ein Spiele-Verrückter im besten Sinne. Im Anschluss beantwortet er dann traditionell noch geduldig die Fragen aus dem Publikum. Für Fans hat sich die ganze Sache jetzt schon mehr als gelohnt, alle anderen sind mindestens beeindruckt.
PC-Helden müssen sich Konsolen zuwenden
Auch abseits der Keynote stehen id-Größen für Gespräche zur Verfügung, sie mischen sich unters Volk, saugen Stimmungen und Meinungen auf, stellen auch Fragen und lassen sich (natürlich) auch gern bejubeln und bewundern für die Arbeit, die sie während der letzten 20 Jahre grade für die PC-Community geleistet haben. Noch sind Konsolen übrigens nur ein Randthema bei der Quakecon, aber auch John Carmack macht klar, dass es kein Zurück zu den PC-exklusiven Zeiten mehr geben kann.
»Die Abermillionen Entwicklungskosten lassen sich nur stemmen, wenn man ein Produkt auch an die Riesenmasse der Konsolennutzer verkaufen kann«, antwortet Carmack am Freitag bei einer Bühnendiskussion auf die etwas überemotionalisierte Frage aus dem Publikum, ob die »Konsolen-Drecksäcke nicht unser PC-Gaming kaputt machen« würden. Eine salomonische Antwort, die hervorragend zum inoffiziellen Motto dieses freundlichen und friedlichen Ego-Shooter-Treffens passt: »Peace, Love and Rockets«. Bis nächstes Jahr, Dallas!
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