In London hatten wir die Möglichkeit, den neuesten Teil der Driver-Reihe zu begutachten. Das Entwicklerteam um Martin Edmondson will damit »zurück zu den Wurzeln« des Erstlings Driver von 1999. Wir haben das Tutorial und das erste Kapitel von Driver: San Francisco angespielt und stellen viele Gemeinsamkeiten mit dem Klassiker fest. So übernimmt Detective John Tanner wieder das Steuer des gelben Dodge Challenger. Auf dem Beifahrersitz nimmt Kollege Jones Platz und unterstützt Tanner auf der Jagd nach Bösewicht Charles Jericho. Wie in den Filmklassikern »Bullitt« oder »French Connection« liegt der Fokus laut Creative Director Edmondson auf rasanten Verfolgungsjagden. In Driver: San Francisco nehmt ihr deshalb ausschließlich hinter dem Lenkrad Platz, und öde Fußgänger-Missionen wie in Driver 3 wird es nicht mehr geben. Damit keine Langeweile aufkommt, versprechen die Entwickler im fertigen Spiel über 120 lizenzierte Fahrzeuge, in denen ihr über Friscos hügelige Straßen brettert und springt.
Tanner vs. Jericho reloaded
Driver: San Francisco spielt etwa sechs Monate nach dem Ende von Driver 3. Tanner hat den Shootout mit Erzfeind Jericho überlebt. Der Bösewicht wandert in den Knast, und Tanner ist der gefeierte Held. Die Nachrichtensender verkünden einen »großen Tag für die Gerechtigkeit«, und die Stadt scheint wieder sicher zu sein. Doch die Ruhe in San Francisco währt nicht lange. In einer spektakulären Ausbruchsszene entführt Jericho einen Gefängnistransporter und entkommt der amerikanischen Justiz. Über den Polizeifunk erfährt Tanner vom Ausbruch seines Erzfeindes und versucht mit Kumpel Jones die Flucht Jerichos zu verhindern. Es kommt zu einer spektakulären Verfolgungsjagd, die aber böse endet: Jericho entkommt, und Tanner fällt ins Koma.
Den Geist vom Körper lösen
»Innovation« lautet die Devise des Entwicklerstudios Ubisoft Reflections. Damit meinen sie nicht etwa die Verfolgungsjagd oder den Crash, sondern Komapatient Tanner. Das Koma bildet nämlich den Story-Grundstein für den angekündigten Shift-Modus. Denn mit Driver: San Francisco wird es spirituell. Wie in der Kult-Fernsehserie »Zurück in die Vergangenheit« übernimmt er die Körper fremder Personen. Dabei schlittert er unvorbereitet in kuriose Situationen und Gespräche. In unserer kurzen Anspielsitzung »shiften« wir in einen Rettungswagen und werden von unserem Beifahrer plötzlich angeschrien, weil die Herzfrequenz des Patienten rapide sinkt. Wir schalten also das Blaulicht an und rasen durch den dichten Verkehr der Metropole auf dem schnellsten Weg zum Krankenhaus.
Diese sogenannten City-Missionen tauchen immer wieder im Spiel auf und sind fester Bestandteil des Spieldesigns. Denn nur durch erfolgreich absolvierte City-Missionen schaltet ihr neue Tanner-Missionen frei und kommt in der Story voran. Tanner »shiftet« aber nicht nur in fremde Personen, sondern auch in seinen eigenen Körper, der gesund und wenig komatös im gelben Dodge durch die Stadt fährt und nach Hinweisen zum Aufenthaltsort Jerichos sucht. Das lässt uns etwas ratlos zurück, weil der gute Mann doch eigentlich im Koma liegen sollte. Doch das ist so gewollt. Es bleibt bis zum Ende offen, ob es sich bei Driver: San Francisco nur um eine Traumsequenz handelt, oder ob Tanner die reale Welt tatsächlich durch seinen Geist beeinflusst.
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