Die Community entscheidet mit
Für namhafte Indie-Entwickler wie Double Fine hat Crowdfunding schon jetzt neue Möglichkeiten eröffnet. »Mit einem Publisher wäre die Doku über uns nie möglich gewesen«, erklärt Greg Rice. »Aber jetzt können wir unseren Fans eine offene, transparente Dokumentation unseres Spiels geben. Alleine die Filme sind es Wert, uns zu unterstützen. Und in den Foren zum Double Fine Adventure sind unsere Spender bereits sehr aktiv.«
Tim Schafer berichtet dort etwa über seinen Schreibprozess, zeigt neue Konzeptzeichnungen oder fragt nach Anregungen. Jane Jensen lässt ihre Community gleich über die nächsten Spiele von Pinkerton Road abstimmen, und Brian Fargo hat unlängst einen detaillierten Entwurf für Wasteland 2 veröffentlicht.
So fordert und fördert das Crowdfunding einen offenen Entwicklungsprozess, der bisher nur kleineren Indie-Studios möglich war - etwa den Amplitude Studios. Die Franzosen haben ihre Fans beim Weltraum-Strategiespiel Endless Spaceüber wichtige Designentscheidungen abstimmen und so an der Entstehung des Spiels teilhaben lassen. Beim Crowdfunding ist das sogar Pflicht - schließlich möchten die Investoren wissen, was mit ihrem Geld geschieht.
Crowdfunding gegen Publisher
Dass Crowdfunding den Publishern den Todesstoß versetzt, ist aber Unsinn. Die meisten von den Fans finanzierten Spiele sind noch in der Entwicklung, erst nächstes Jahr stehen erste, große Ergebnisse an - und an denen muss sich die Zukunft des Trends messen. Vereinfacht gesagt: Wenn beim Crowdfunding nur Müll herauskommt, wird es schneller eingehen als eine Primel in der Sahara.
Großprojekte vom Zig-Millionen-Umfang eines Call of Duty hat es auf Kickstarter & Co. zudem noch nicht geben, sie bleiben finanzstarken Publishern vorbehalten. Es sind vielmehr die kleineren Publisher, die durch Crowdfunding bedroht sind. In Zukunft werden es sich etablierte Entwickler doppelt überleben, mit Vertriebspartnern um ein paar Tausend Euro hin und her zu feilschen, wenn sie genauso gut einen Kickstarter-Aufruf starten können.
Denn im Crowdfunding manifestiert sich die Hoffnung von Spielern und Spielemachern, die den Glauben an die Macht der Publisher verloren haben; die Spiele wollen, die eine Marketingabteilung für unprofitabel hält; die einfach gute Spiele wollen. »Ich glaube nicht, dass Kickstarter nur ein Trend ist«, sagt Jane Jensen. »Es gibt uns eine Alternative, wie wir Kunst machen können ohne Publisher, ohne große Investoren.«
Auf eine gute Zukunft
Das vermeintliche Eldorado für Indie-Entwickler ist Kickstarter aber noch längst nicht, von bislang über 62.000 gestarteten Projekten hatten lediglich 2.400 mit Brett- oder Videospielen zu tun (Stand: Juli 2012). Die Erfolgschance für Spieleprojekte liegt mit 34 Prozent zudem niedriger als der Durchschnitt von 44 Prozent.
Für Dinofarm Games und Keith Burgun war Kickstarter letztlich dennoch ein Erfolg. Knapp 15.000 Dollar (und damit doppelt so viel wie die erhofften 7.500 Dollar) nahmen sie Anfang Juli mit einem zweiten Versuch auf Kickstarter ein, mit besserem Video, klareren Ansagen und einem neuen, durchdachten Charakterdesign. Auro ist schon fast zur Hälfte fertig, Burgun und Reynolds sind auf dem richtigen Weg, ganz ohne Publisher, ohne Altherren-Revival und ohne großen Namen. Und das alles dank eines Klicks, der es niemals in die Geschichtsbücher schaffen wird.
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