Blizzard will vom deutschen Cheat-Produzenten Bossland Geld haben, es geht um eine Klagesumme von rund 8,5 Millionen US-Dollar. Das teilt Torrentfreak mit, die Klageschrift findet sich in der Datenbank der Kollegen.
Der Entwickler von Diablo 3, World of Warcraft und Overwatch hatte (neben einer Vielzahl anderer Verfahren) bereits 2016 auf Entschädigung geklagt, Bossland wollte die Klage abweisen lassen - vergeblich. Nun setzt das Zwickauer Unternehmen auf eine andere Taktik, man reagiert gezielt nicht mehr auf Anwälte und Gericht.
Versäumnisurteil als Taktik
Im Februar hat das zuständige US-Gericht das Versäumnis der Bossland GmbH festgestellt, Blizzard hat daraufhin jetzt im März die Klagesumme eingereicht: Aus 42.818 nachweisbaren Cheat-Fällen möchte Blizzard jeweils 200 US-Dollar, was grob einem Jahresabo des teuersten Bossland-Cheats entspricht. Das sind unter dem Strich 8.563.600 US-Dollar, dazu kommen noch Anwaltskosten in Höhe von 174.872 US-Dollar und Gerichtskosten von 1.763,41 US-Dollar. Die Verhandlung findet am 10. April in Kalifornien statt, mit oder ohne Bossland.
Im Gerichtsdokument erklärt Blizzard die Strategie von Bossland: Per Flucht in die Säumnis versucht das Zwickauer Unternehmen Details über ihr Geschäft mit Cheats zu verheimlichen. So kann Blizzard nur die niedrigstmögliche Summe einfordern. Und selbst die könnte es am Ende nicht geben. Blizzard geht direkt zum Klagebeginn davon aus, dass ein Urteil des kalifornischen Gerichts schwer in Deutschland umsetzbar sei und man an in Deutschland geparktes Geld nicht so einfach herankommt.
Deswegen gehe Bossland hier rein strategisch vor, man versuche die Situation einfach auszusitzen - "business as usual". Im Schreiben werden die Angeklagten als "schlechte Schauspieler" bezeichnet, die "kalkuliert und böswillig" handeln, um sich gegen die amerikanische Rechtssprechung zu schützen.
Alte Bekannte
Blizzard und Bossland treffen seit Jahren in verschiedenen internationalen Zivilprozessen aufeinander. Anfang des Jahres 2017 hatte der Bundesgerichtshof gegen Bosslands Entwicklung von Cheats und Bots für Spiele wie World of Warcraft und Diablo 3 entschieden.
Die Software galt in der Szene lange als "deutsche Qualitätsware", die Umstellung auf zeitlich begrenzte Abos und immer häufigere Bannwellen durch Blizzard hat die Cheat-Community allerdings zuletzt verschreckt. Mittlerweile liegt uns ein Statement von Zwetan Letschew vor, dem Geschäftsführer der Bossland GmbH. Bossland präzisiert dabei, wie Blizzard die Klagesumme festgemacht hat.
Nach Letschew wurde Blizzard von Bossland informiert, dass man im für die Klage relevanten Zeitraum 118.939 Lizenzen für Bots und Cheats verkauft habe. Blizzard glaubt, dass 36 Prozent der verkauften Lizenzen zu ihren Spielen gehören, der Rest betrifft andere MMOs. Pro Lizenz wurde die Klagesumme von 200 US-Dollar festgelegt, entsprechend kommt man auf die rund 8,5 Millionen US-Dollar. Laut Bossland habe man selbst Fakten geliefert, die Anwälte von Blizzard haben sich die eigenen Zahlen "erdacht".
Weiter gibt Leschew an, dass 35.685 Lizenzen Dreitageslizenzen zum Testen waren, die für einen Euro verkauft werden. Eine normale Lizenz koste im Schnitt 20 bis 25 Euro, die teuerste Bot-Variante für 199 Euro wurde unter 100 Mal verkauft, so der Bossland-Geschäftsführer.
Da das Gericht den Antrag auf Verfahrenseinstellung von Bossland abgewiesen hat, muss das Unternehmen aus Zwickau jetzt einfach warten: Die Firma kann noch in Berufung gehen, allerdings erst nach dem Urteil. Bossland glaubt nicht daran, dass das US-Gericht überhaupt zuständig sei:
"Weder haben wir dort Vertragspartner, noch Server stehen, noch Zahlungsanbieter, noch aquirieren wir dort gezielt Kunden. Alles Punkte die Blizzard in Ihrer Klageeinreichung dem Gericht mitgeteilt haben, was aber in keiner Weise der Wahrheit entspricht."
In einem anderen Fall ist man noch eine Instanz nach oben gewandert: Nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs hat Bossland nun Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe eingereicht. Vom Bundesverfassungsgericht erwarte man ab keine Antwort mehr in diesem Jahr.
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